Konferenz: MOE - Deutschlands starker Partner - 29. Mai 2018

Die Länder der Region Mittel- und Osteuropa (MOE ) sind zu einem unverzichtbaren Partner der deutschen Wirtschaft geworden – dies war eine Kernbotschaft einer internationalen Konferenz der DUIH K. Unternehmenschefs und Experten aus fünf Ländern zeigten auf der Konferenz auch auf, was für die Wettbewerbsfähigkeit der Region noch getan werden muss.

„Während wir in den vergangenen Jahren eine wachsende Spannung zwischen Deutschland sowie der Region auf politischer Ebene erleben, werden die geschäftlichen Beziehungen intensiver und brechen einen Rekord nach dem anderen. Es lohnt sich, sich mit dieser Abweichung hier und heute zu beschäftigen“, sagte DUIHK-Präsident Dale A. Martin zur Eröffnung. Darüber hinaus, dass die Ökonomien Deutschlands und der MOELänder voneinander abhängen, daher sei eine europaweite Kooperation gefordert, da kein Land für sich alleine den globalen Herausforderungen standhalten kann. „Ausbildung und Innovation sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit, vielleicht können die Länder der Region diesbezüglich stärker kooperieren“, schloss der DUIHK-Präsident.

Keine Miniblocks in der EU

Die Europäische Union muss sehr rasch und vor allem gemeinsam Antworten auf völlig neue, tiefgreifende Herausforderungen in den weltweiten Beziehungen finden – dies war eine der Kernaussagen des Osteuropa-Experten Prof. Klaus Mangold. Zugleich machte er deutlich, dass aus seiner Sicht die Bildung von Blöcken innerhalb der EU für notwendige gemeinsame Positionen nicht hilfreich sei. Damit spielte er – wenn auch unausgesprochen – auf die Visegrád-4-Formation an. Die Beziehungen zu den USA, China und Russland werden die EU in Zukunft maßgeblich beeinflussen, doch besonders die Entwicklungen in den USA verursachen große Irritationen in der Union und MOE-Region. Dies zwinge die EU zu einer Neubestimmung der eigenen Positionierung z.B. hinsichtlich seiner Verteidigungsstrategie, so Mangold.

Positiv äußerte sich Mangold zu den umfangreichen EU-Infrastrukturmitteln: „Das war richtig investiertes Geld.“ Künftig habe die Region deshalb gute Voraussetzungen, eine größere Rolle in den europäischen Wertschöpfungsketten zu spielen. „Dank der eigenständigen, guten Entwicklung der lokalen Wirtschaften, z.B. auf dem Gebiet F+E, sind die Zeiten der Werkbank-Philosophie vorbei.“ Kecskemét etwa sei der wichtigste Standort von Daimler in MOE, dort steige der inländische Wertschöpfungsanteil, parallel reife die lokale Wirtschaft.

Allerdings müssten Polen, Ungarn oder Tschechien rasch das zukünftige „Geschäftsmodel“ für ihre Wirtschaften definieren. Angesichts von Digitalisierung oder künstlicher Intelligenz werde es immer wichtiger, diese technologischen Möglichkeiten auch in neue Technologien und Produkte umzusetzen. Speziell mit Deutschland böten sich dabei gute Möglichkeiten, gerade KMU durch die Verbindung mit der Großindustrie zu fördern. Ein gravierendes Problem auf diesem Weg sei allerdings sei der Fachkräftemangel. Deshalb müsse deutlich mehr in flexible Bildungssysteme sowie Forschung und Entwicklung investiert werden, etwa auch durch Umverteilung der EU-Fördermittel. Zum anderen müssten auch deutliche Akzente gegen den „Brain-Drain“ von gut qualifizierten Osteuropäern in westliche EU-Länder gesetzt werden, forderte Mangold. „Die Zukunft Europas liegt in MOE, daher muss man die Region noch besser und gleichberechtigter in die EU integrieren“, schloss der Berater.

Dirk Wölfer, Bereichsleiter Kommunikation bei der DUIHK stellte die wichtigsten Ergebnisse des Konjunkturberichtes 2018 MOE vor.

Konjunkturumfrage MOE 2018

Die aktuelle Umfrage von deutschen Auslandshandelskammern in 15 Ländern der Region MOE zeigt, dass die deutschen Firmen vor Ort die wirtschaftliche Lage so gut einschätzen wie seit vielen Jahren nicht mehr, dementsprechend positiv sind auch die Investitions- und Beschäftigungspläne. Ungarn konnte seine relative Position hinsichtlich der Konjunkturentwicklung weiter verbessern.

Die Standortqualität wurde 2018 in den meisten Ländern ähnlich beurteilt wie 2017, allerdings sind fast überall die Bedingungen am Arbeitsmarkt schwieriger geworden, vor allem in Tschechien, Ungarn und der Slowakei ist der Fachkräftemangel zu einem ernsten Problem geworden. Dennoch fühlt der Großteil der Firmen auch weiterhin eine hohe Verbundenheit gegenüber ihrem aktuellen Standort: vier von fünf Investoren empfinden ihre Standortwahl als richtig.

Als attraktivster Investitionsstandort wurde 2018 erneut die Tschechische Republik gewählt, Ungarn rangiert auf Platz 10 der Liste von 20 Ländern.

Alle Ergebnisse der Umfrage finden Sie auf unserer Homepage unter www.duihk.hu/konjunktur

„Deutsche Investoren hatten Vertrauen in Ungarn, was zu Erfolg führte, denn Ungarn wurde Teil der europäischen Familie“, erinnerte Levente Magyar, Ungarns stellv. Außenminister, an die Verdienste Deutschlands am (Wieder-)Aufbau von Ungarns Wirtschaft. Entgegen Mangolds These erklärte der Politiker, dass die Visegrád-Gruppe in Zukunft mehr Gewicht haben werde, ein solcher Zusammenschluss sei der richtige Weg für kleinere Länder. Magyar hob hervor, dass die V4 2017 fast das doppelte Wachstum der EU erreicht haben, und auch der Handel mit Deutschland sei stabil hoch. „Die Region will auch weiterhin ein attraktives Investitionsumfeld aufrechterhalten bzw. dieses noch verbessern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Wir sind offen für diesbezügliche Ideen, um diese gemeinsam zu diskutieren“, sagte der stellv. Außenminister.

„Man muss dem Nachwuchs Karrierewege bieten“

 In Paneldiskussionen debattierten anschließend je vier Spitzen-Vertreter der Wirtschaft aus Ländern der Visegrád-Gruppe über die drei Themengebiete, die die Unternehmen am meisten beschäftigen: „Arbeitsmarkt und Qualifikation“, „Technologie und Digitalisierung“, sowie „Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für wettbewerbsfähige Unternehmen“. Die Manager lieferten dabei ein nuanciertes Bild von ihrer jeweiligen Lage und ihren Problemen.

Im ersten Panel diskutierten unter der Moderation von Dr. Éva Palócz (CEO, Kopint-Tárki Zrt.) Silke Janz (Geschäftsführerin, Penny Market Kft.), Dr. Ágnes Fábián (Geschäftsführerin, Henkel Magyarország Kft.), Dr. Ireneusz Zalewski (CEO, Lufthansa Systems Polen) und Ralf Singmann (Geschäftsführer, Leoni Slowakei). Zur aktuellen Lage der Arbeitskräfteversorgung etwa erklärte Singmann, dass man als Automobilzulieferer unter Druck stehe in einer Industrie, die stark vom Arbeitskräftenachschub abhängt. „Migration ist ein schwerwiegendes Problem, bei Fluktuation lässt sich als Unternehmen nur schwer operieren. Es herrscht dieselbe Lage wie bei der Krise 2007, jedoch gab es damals das Problem der Arbeitskräftemigration nicht“, hielt er fest, und schloss an: „Früher wurde Automatisierung eingesetzt, um Kosten zu senken – heute, um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen.“

Während Silke Janz dem Problem durch Arbeitsmigration beipflichtete und betonte, dass man in Ungarn kreativ sein müsse, um Personallücken zu schließen, vor allem aufgrund der Nähe zu Österreich, sagte Zalewski, dass man im IT-Sektor dieser Herausforderung bereits vor zehn Jahren begegnet sei: „Wir holten daher auch ausländische Kräfte an Bord. Heute machen sie schon ein Fünftel unseres Teams aus, was eine gute Kombination ist.“ Ágnes Fábián erläuterte, dass es Henkel an seinen zwei Standorten mit zwei unterschiedlichen Arbeitsmärkten zu tun habe: während man im Komitat Békés aufgrund des eigenen Employer-Brandings in einer komfortablen Situation sei, würde in Budapest ein regelrechter Kampf um Arbeitskräfte geführt.

Bereitschaft für neue Technologien

Im Panel zu „Technologie und Digitalisierung“ ging es unter der Moderation von Prof. Wolfgang Dorner (TU Deggendorf) eingangs um die Frage, welche die die nahe Zukunft bestimmende Technologie sei. Während laut Artur Pollak (CEO, Apa Group, Polen) Robotik die Zukunft verändern und den Arbeitskräftemangel lösen werde, nannte Wolfgang Weissler (Country Division Lead, Siemens Tschechische Republik) die Energie als altes, aber immer noch aktuelles Thema, zudem die Automation, die neue Jobs entstehen lasse, und die Digitalisierung. Alexandra Reich (CEO, Telenor Magyarország Zrt.) hob die 5G-Konnektivität hervor, die für Firmenkunden vieles verändern werde, András Sávos (Geschäftsführer, Knorr-Bremse Rail Systems Hungary) schränkte ein, dass selbst bei bester Konnektivität ohne entsprechende IT-Infrastruktur auch seine besten Ingenieure nichts Neues entwickeln können. Weissler pflichtete ihm bei, dass es eine Herausforderung für die IT-Infrastruktur sein wird, wenn alles miteinander verbunden ist. Pollak kritisierte: „In der Region sind wir bereit für neue Technologien, aber manchmal hängt es an den Managern. Wir reden immer über Industrie 4.0 – dabei ist in manchen Fabriken nicht einmal Industrie 3.0 verwirklicht.“

Stabiles Wirtschaftsumfeld als Wettbewerbsfaktor

Im letzten Panel erklärten die Teilnehmer unter der Moderation von Dr. Marie-Theres Thiell (CEO, ELMŰÉMÁSZ/ innogy Hungária), warum sie genau an ihrem jeweiligen Standort tätig sind. Niclas Pfüller (General Manager, Brose Tschechische Republik) zählte das stabile Wirtschaftsumfeld, die Unterstützung der Regierung und die Nähe zu den Märkten auf. Wolfgang Heuchel (CEO und Managing Director, Lanxess Central Eastern Europe) sagte, dass auch bei seinem Unternehmen die Nähe zum Kunden, zu den Arbeitskräften und zur Infrastruktur bedeutend sei, daher habe man sich für die zentral gelegene Slowakei entschieden. „Dieser Schritt hat sich eindeutig gelohnt, was man nicht nur am gestiegenen Umsatz sondern auch an mehr Länderverantwortung sieht.“ Jost Lammers (Vorstandsdirektor, Budapest Airport Zrt.) lobte ebenso das stabile Wirtschaftsumfeld, angesichts dessen man fast das Doppelte des vertraglich festgelegten Minimums am Flughafen investiert habe und sich am Standort wohlfühle. Renata Juszkiewicz (Vorstand, Polnischer Verband für Handel und Distribution) erklärte, dass der durch sie vertretene Handelssektor dem Land gegenüber sehr verpflichtet sei, man investiere viel und habe viele Jobs, Lehrgänge sowie völlig neuartige Zertifikate geschaffen. „Wir haben zur Modernisierung unseres und aller an diesen anschließenden Sektoren beigetragen“, fasste sie zusammen. Dr. Marie-Theres Thiell selbst erklärte abschließend, dass sie trotz der vielen Herausforderungen gerne Manager in der MOE-Region ist, da sie viel von der Region hält.

Videos

Einleitungsvideo: MOE - starker Partner Deutschlands

Wrap-up video über die Konferenz

Co-organizers: German bilateral Chambers of Industry and Commerce in

Platin-Sponsors

The conference is part of a series of events organised on the occasion of the 25th anniversary of the founding of the German-Hungarian Chamber of Industry and Commerce, sponsored by our members.

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