Okt 31

The future "Made in CEE"

Offen sein für neue Technologien

Die Region Mittel- und Osteuropa wird künftig eine immer wichtigere Rolle für die Wirtschaft der Europäischen Union spielen, die Digitalisierung und die aktuellen technologischen Umbrüche wiederum können der Region dabei zusätzliche Impulse verleihen. Dies sind die wichtigsten Kernaussagen, die im Mittelpunkt der Konferenz The Future „Made in CEE“ standen.

Einiges Gewicht verleiht diesen Aussagen die beeindruckende Liste der Referenten und Panelisten der Konferenz. Neben Ungarns Minister für Innovation und Technologie, László Palkovics standen bzw. saßen auf dem Podium auch der Vorstandsvorsitzende des Energieriesen E.on, Johannes Teyssen aus Essen, der Chairman der Boston Consulting Group, Hans-Paul Bürkner aus Frankfurt, sowie der Vizepräsident für Mittel und Südosteuropa des Chemieunternehmens BASF, Thomas Narbeshuber. Und nicht nur das: Bereits vor der Veranstaltung fand zum selben Thema ein Roundtable-Gespräch mit rund 25 Top-Managern aus der Region bei der österreichischen Botschafterin Elisabeth Ellison-Kramer statt.

Ziel der Organisatoren der Konferenz, des im Februar gegründeten „Netzwerk Digital“ und der pro-europäischen Organisation „United Europe“ war es aufzuzeigen, dass sich die Länder der Region Mittel- und Osteuropa (MOE) wirtschaftlich immer mehr von der Rolle der „verlängerten Werkbank“ emanzipieren, und zunehmend zu Innovation und Wachstum in der EU beitragen. Die Referenten stimmten darin überein, dass die Region schon heute ein unverzichtbarer Partner in den europäischen Wertschöpfungsketten ist, und dass ihr Gewicht in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Dies sei aber kein „Selbstläufer“. Zwar könnten die Länder Mittel- und Osteuropa (MOE) stark von den Chancen und Möglichkeiten profitieren, die sich aus den rasanten technologischen Veränderungen der Gegenwart ergeben, wie z.B. der Digitalisierung oder dem Trend zur „Industrie 4.0“. Dafür müsse aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Region gesteigert werden. Gerade für letzteres böte die Digitalisierung ein erhebliches Potential, dass mithilfe staatlicher und unternehmerischer Anstrengungen intensiv genutzt werden müsse.

Dies war laut Marie-Theres Thiell, Geschäftsführerin von Innogy Ungarn und Vizepräsidentin der DUIHK auch ein Grundkonsens des CEO-Roundtable am Vormittag, bei dem es sowohl um den Stand und die Chancen der Region hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, als auch um die Aufgaben ging, die die Unternehmen, der Staat und das Bildungssystem noch zu bewältigen haben.

Gute Chancen für Europa und die Region

Johannes Teyssen machte in seiner Keynote vor allem auf die Dringlichkeit eines technologischen Sprungs in Europa aufmerksam. Die Welt sei erneut – wie schon während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert – in eine Phase eingetreten, in der Technologie eine entscheidende Rolle bei der globalen Verteilung von Wohlstand haben werde, so Teyssen. Europa müsse hier aufschließen, forderte er. Innovation entstehe nach seiner Ansicht dort, wo Menschen mit vielfältigen persönlichen, kulturellen und beruflichen Hintergründen Ideen frei und offen austauschen können. Teyssen zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass man das in Europa bewältigen könne, vielleicht sogar besser als in anderen Regionen, und dies gelte auch in Bezug auf die Digitalisierung. Und seiner Meinung nach hätte die Region hier sogar die Chance auf eine führende Rolle, weil sie durch ihren späten Start in die Marktwirtschaft manch strukturelle Hindernisse nicht aufwiesen, die in etablierten Marktwirtschaften über Jahrzehnte gewachsen sind. Mehrfach wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass Europa keinen Grund habe, sich hinter China oder den USA zu verstecken, technologisch sei man durchaus ebenbürtig – nur müsse dieses Potential auch entsprechend nutzen und in wirtschaftliche Ergebnisse umsetzen.

Teyssen wies als Chef eines Energieunternehmens übrigens anschaulich darauf hin, dass Digitalisierung auch Energie benötige – sehr viel Energie sogar. Daher stehe auch die Energiewirtschaft vor einer tiefgreifenden Transformation, die wiederum selbst nur mit massiver Digitalisierung zu bewältigen sei. Die Übertragungsnetze seine bereits sehr modern, aber bei den Verbrauchern fehle es noch an digitalen Messsystemen, die aber in Zukunft für die Stabilität der Energieversorgung unerlässlich seien.

Minister László Palkovics behandelte wenig überraschend jene Fragen, wo im Zusammenhang mit der Digitalisierung und dem technologischen Wandel vor allem der Staat entsprechende Rahmenbedingungen schaffen müssen – und nach seiner Einschätzung dies in Ungarn auch tue. Ungarn habe heute schon ein international beachtliches technologisches Niveau erreicht. Dies belegen u.a. der hohe Anteil von Hochtechnologie-Gütern an der Industrieproduktion und am Export sowie die ein hochmodernes Telekommunikationsnetz. Zudem seien die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in den vergangenen Jahren schon kräftig angestiegen – auch wenn Ungarn noch immer ein gutes Stück vom EU-weiten Ausgabeziel von zwei Prozent des BIP ist. Künftig setzt die Regierung auch auf die acht geplanten Wissenschaftsparks. In ihnen sollen durch die enge Zusammenarbeit zwischen Spitzenunis, Forschungseinrichtungen und Unternehmen am Ende vor allem mehr markttaugliche Innovationen entstehen, die einen volkswirtschaftliche messbaren Mehrwert bringen.

Schlüsselfaktor Humane Ressourcen

Einen breiten Raum nahmen in den Vorträgen und Diskussionen jedoch auch die Implikationen von Digitalisierung und Technologiesprüngen für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft insgesamt ein. E.on-Chef Teyssen zufolge erfordere eine erfolgreiche digitale Transformation jedoch auch zufolge auch in den Unternehmen selbst eine entsprechende Kultur, vor allem müssten Mitarbeiter ermutigt werden, sich digitales Wissen anzueignen. Ähnlich äußerte sich BCG-Chairman Bürkner: Mitarbeiter müssten auf die neue Ära vorbereitet werden, im Ergebnis könnten dann aber mit Hilfe der Digitalisierung auch demografischen Risiken für die Wirtschaft abgemildert werden. Minister Palkovics räumte in diesem Zusammenhang ein, dass Ungarn bei der digitalen Kompetenz der Bevölkerung noch Aufholbedarf habe. Im Digitalen Wirtschafts- und Gesellschaftsindex der EU rangiert Ungarn seit Jahren auf den hinteren Rängen. Die Regierung legt daher verschiedene Programme auf, z.B. zur digitalen Inklusion von älteren Menschen, und mit einem anderen sollen bis Ende 2020 100.000 Ungarn ein Training in künstlicher Intelligenz erhalten, um Ungarn in diesem Bereich möglichst breit aufzustellen.

Kein Fortschritt ohne Risiko

Dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, fasste Hans-Paul Bürkner in der Aussage zusammen, dass mit ihrer Hilfe die Region MOE die Chance habe, von einer Region arbeitsintensiver Montagebetriebe – der „verlängerten Werkbank“ – zu einem Standort von „Smart Suppliers“, also innovativen Zulieferern zu werden. Dazu sei allerdings eine innovationsoffene Atmosphäre in der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft erforderlich. Dies bestätigte auch Thomas Narbeshuber ausdrücklich: In Europa müsse man sich von einer überzogenen Risikovermeidungsmentalität lösen und sich mehr auf potentielle Chancen neuer Technologien konzentrieren. Oder wie es Johannes Teyssen in seinem Vortrag gegenüber den Gästen formulierte: Versuchen Sie, das richtige Umfeld zu schaffen. Seien sie so offen wie möglich gegenüber neuen Technologien, akzeptieren Sie Risiko. Nichts, was zählt und wertvoll ist, gibt es ohne Risiko.

 

Dokumente:

Presseerscheinungen:

Mehr über Netzwerk Digital

Zurück zur Liste