Vereinbarkeit von Arbeit und Familie

Gemeinsam für familienfreundliche Arbeitsplätze

DUIHK und Regierung intensivieren Kooperation zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die DUIHK und ihre Mitglieder rennen beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie beim Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen die sprichwörtlichen offenen Türen ein. Staatssekretärin Katalin Novák stellte dazu auf einem Fachforum der Kammer neue Maßnahmen der Regierung vor und bat um konkrete Verbesserungsvorschläge der Kammermitglieder. 

Im Januar hatten das Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen (EMMI) und die DUIHK im Rahmen ihrer Jahresauftaktveranstaltung eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um den Rahmen für gemeinsame Schritte zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und familiären Verpflichtungen zu schaffen. Gleich zu Beginn hatten sich 42 Unternehmen der Vereinbarung angeschlossen, am letzten Freitag kamen weitere fünf hinzu. Das Fachforum der DUIHK am 21. Juni bot nicht nur einen würdigen Rahmen für die Unterzeichnung, sondern vor allem auch Gelegenheit, von staatlicher und von Kammerseite über konkrete Maßnahmen, Erwartungen und Lösungsansätze zu diskutieren.

Vorteile für alle Beteiligten

Der im Mai gewählte neue DUIHK-Präsident András Sávos betonte, dass familienfreundliche Arbeitsplätze nach Überzeugung der Initiatoren Vorteile für alle Beteiligten böten: Für die Arbeitnehmer, weil sie bessere Möglichkeiten erhalten, neben der Kinderbetreuung, der Pflege älterer oder kranker Familienangehörigen oder anderer Verpflichtungen trotzdem einer Arbeit nachgehen zu können. Für die Unternehmen, weil sie inmitten des bestehenden Fachkräftemangels zusätzliche Arbeitnehmer gewinnen oder bisherige stärker an sich binden können. Und schließlich auch für die Gesellschaft insgesamt, da damit ein Beitrag zur Bewältigung des demographischen Wandels geleistet werden kann. Deshalb sei es Ziel der Kooperation mit dem Ministerium, konkrete Faktoren und Hindernisse zu benennen und entsprechende Lösungen anzuregen, damit Arbeitnehmer flexibler ihre familiären Verpflichtungen mit dem Wunsch nach Arbeit verbinden können.

Die Staatssekretärin für Familie und Jugend im Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen (EMMI), Katalin Novák, betonte in diesem Zusammenhang, dass Familienpolitik keineswegs nur eine Frage von Werten und Ideologie sei, sondern ganz klar auch eine wirtschaftliche. Die Zahl der Arbeitnehmer werde in der Zukunft auch die ökonomische Leistungsund Wettbewerbsfähigkeit des Landes bestimmen. Mittelfristig gebe es vor allem bei Müttern mit Kindern ein großes Arbeitskräftepotential. Die Regierung habe zwar kein zahlenmäßiges Beschäftigungsziel für Mütter, schließlich hätten sie einen gesetzlichen Anspruch auf Kindererziehungszeit. Dennoch könnten unter jungen Müttern mit Kindern unter sechs Jahren bis zu 100.000 Frauen auf dem Arbeitsmarkt tätig werden, wenn ihre Beschäftigungsquote mit entsprechenden Angeboten gesteigert werden könnte.

Bessere Regelung des „Homeoffice“

Kammergeschäftsführer Gabriel A. Brennauer stellte dementsprechend fünf Themen vor, die in vorangegangenen Konsultationen mit den Unternehmen als Empfehlung herausgearbeitet worden waren.

Eines der wichtigsten ist die Regelung von Heim- und Fernarbeit, die angesichts des Wandels in der Arbeitswelt immer wichtiger wird. Derzeit seien die juristischen Bestimmungen nicht immer klar und würden daher Unsicherheiten bei den Unternehmen verursachen. Entsprechende Präzisierungen würden helfen, atypischen Arbeitsmodellen mehr Akzeptanz zu bieten und damit auch, den Familien zu helfen.

Staatssekretärin Katalin Novák ergänzte zu diesem Thema, dass dies nicht nur eine gesetzgeberische Frage sein, sondern auch eine kulturelle. Es gehe auch um das Vertrauen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, und hier könne man sehr viel gerade auch von deutschen Unternehmen lernen, die solche Formen im Heimatland bereits erfolgreich praktizieren.

Deutlich mehr Krippenplätze angestrebt

Beim Thema Kinderkrippen, also Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren, zeigte sich die große Übereinstimmung der Interessen von Regierung und Wirtschaft. Brennauer berichtete, dass aus Sicht der Unternehmen zum einen das Angebot insgesamt zu gering sei, zum anderen sei die Inanspruchnahme derzeit an den Wohnort der Eltern gebunden, der oft nicht mit dem Arbeitsort identisch sei. Hier könnten flexible Möglichkeiten der Kooperation zwischen Gemeinden und Firmen, zwischen privaten und öffentlichen Trägern helfen, aber auch Unterstützung von betrieblichen Einrichtungen durch den Staat.

Staatssekretärin Novák teilte diese Einschätzungen und stellte aktuelle Pläne der Regierung zur Verbesserung der Krippenversorgung vor. Nach ihren Angaben gebe es derzeit im Land gerade einmal 11 betriebliche Kinderkrippen mit einer Kapazität für 75 Kinder. Die Regierung werde daher ab 2020 die Vorschriften zur Schaffung massiv erleichtern. Zum einen würden viele bürokratische Vorschriften zur Ausstattung von Krippen gelockert oder abgeschafft, zum anderen würden auch die personellen Anforderungen den Realitäten besser angepasst. So müssten beispielsweise in Zukunft in betrieblichen Kleinstgruppen nicht mehr ausgebildete Fachkräfte eingestellt werden, statt dessen werden auch Betreuungskräfte zugelassen, die eine bestimmte Basisausbildung absolviert haben. Auch die Versorgung mit kommunalen Krippen werde sich verbessern, da die Pflicht zur Schaffung von örtlichen Krippen schon bei einer geringen Zahl von Kindern obligatorisch werde.

Der wesentlichste Punkt aber dürfte die Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für Krippenplätze sein auf fast das Vierfache sein des aktuellen Betrages sein. Statt bisher 180.000 Forint wird der Zuschuss künftig 700.000 Forint pro Jahr betragen und damit einen deutlich höheren Teil der durchschnittlichen Kosten eines klassischen Krippenplatzes von einer Million Forint decken.

Zahlreiche Detailfragen im Alltag zu klären

Im Verlauf des Forums wurde deutlich, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft von kaum beachteten organisatorischen, manchmal aber auch menschlichen Faktoren abhängt.

In den Vorschlägen der DUIHK ging es so unter anderem um die Erweiterung der Berechtigungen von Betriebsärzten, den administrativen Aufwand bei der exakten Erfassung von Arbeitszeiten, aber auch um die steuerliche Behandlung von betrieblichen Zusatzleistungen wie beispielsweise privaten Krankenversicherungen.

László Török, operation director Grundfos COO Office, wiederum berichtete unter anderem von der Herausforderung, die Akzeptanz von familienfreundlichen Maßnahmen bei Arbeitnehmern ohne Kinder zu stärken.

Im Ergebnis der Veranstaltung sagte die DUIHK der Staatssekretärin die Ausarbeitung konkreter Gesetzesinitiativen zu. Zudem schlug die Vizepräsidentin der Kammer, Marie-Theres Thiell vor, sich in Bezug auf die Schaffung von Firmen-Kinderkrippen rasch auch eigene, messbare Ziele seitens der Kammer zu setzen.

Fotos: DUIHK/Halász

Hintergrund

Die DUIHK und das Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen haben am 31. Januar eine Kooperationsvereinbarung zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterzeichnet.

Der Vereinbarung haben sich bisher schon 42 Mitgliedsunternehmen der DUIHK angeschlossen.

Mit der Vereinbarung wollen die Beteiligten bestehende rechtliche und regulatorische Möglichkeiten und gute Unternehmenslösungen interessierten ungarischen Unternehmen vorstellen. Auf der anderen Seite werden Wirtschaft und Ministerium gemeinsam die aktuellen Rahmenbedingungen überprüfen und Vorschläge zum Abbau noch bestehender Barrieren vorlegen.

Möglichkeit zum Mitmachen

Die Mitwirkung an der Initiative steht auch weiteren Mitgliedern offen, denn ein wichtiges Ziel der Vereinbarung ist die Förderung der öffentlichen Wahrnehmung des Themas, um Möglichkeiten und vorbildliche Beispiele vorzustellen und weitere Arbeitgeber zu eigenen Schritten anzuregen. Wenn auch Sie Interesse haben, sich anzuschließen, bekunden Sie Ihr Interesse bitte bei Frau Zsuzsanna Sipka (Mail: sipka(at)ahkungarn.hu)