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Großer Vertrauensvorschuss – große Erwartungen

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DUIHK stellt jüngste Umfrageergebnisse vor

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Großer Vertrauensvorschuss – große Erwartungen

Der bevorstehende Regierungswechsel nach den Parlamentswahlen am 12. April hat bei den Unternehmen einen deutlichen Stimmungsaufschwung bewirkt: Die Konjunkturerwartungen, aber auch die eigenen Geschäftsaussichten und Investitionspläne wurden in einer Blitzumfrage nach der Wahl deutlich optimistischer eingeschätzt als in der wenige Wochen zuvor abgeschlossenen jährlichen Konjunkturumfrage.

 

Dies ergaben die Erhebungen der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer unter ihren Mitgliedern und anderen ausländischen Unternehmen im März und im April, deren Ergebnisse am 7. Mai vorgestellt wurden. Dabei ging es auch um die Frage, inwiefern die (bisher bekannten) wirtschaftspolitischen Pläne der Tisza-Regierung den Erwartungen seitens der Unternehmen entsprechen.

 

DUIHK-Präsident Róbert Keszte wies bei der Präsentation darauf hin, dass die Relevanz solcher Umfragen vor allem auf dem außerordentlichen Gewicht beruhe, dass der deutsche Markt und die deutschen Investoren für die ungarische Wirtschaft haben. Laut Keszte nimmt Deutschland rund ein Viertel aller ungarischen Ausfuhren ab, und in Ungarn beschäftigen deutsche Unternehmen über 230.000 Mitarbeiter und erbringen über 12 Prozent der gesamten Wertschöpfung.

 

Die diesjährige DUIHK-Umfrage fiel in eine spannende Zeit. Als Teil einer globalen DIHK-Umfrage in rund 70 Ländern wurde die traditionelle Frühjahresumfrage 10 Tage vor den Wahlen in Ungarn abgeschlossen. Deshalb führte die Kammer unmittelbar nach den Wahlen eine zweite Umfrage durch, die höchst interessante Verschiebungen in der Unternehmensstimmung offenbarte.

 

Viele Erwartungen der Wirtschaft im Tisza-Programm abgebildet

Beide Umfragen zeigten aber auch auf, inwieweit sich die Erwartungen der Unternehmen in Bezug auf die Standortqualität sich mit den wirtschaftspolitischen Prioritäten der neuen Regierung decken. DUIHK-Präsident Keszte zählte mehrere Bereiche auf, die aus Sicht der Kammer eine große Übereinstimmung beider Perspektiven aufweisen. Dazu zählten die notwendige Neuausrichtung des Bildungssystems, die Stärkung einheimischer KMU und ihre Integration in internationale Wirtschaftskreisläufe, die konsequente Zurückdrängung von Korruption und eine maximale Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel, und nicht zuletzt die Einführung des Euro. All diese Ziele sind aus Sicht der Kammermitglieder erforderlich, und finden sich auch im Programm der Tisza-Partei.

 

Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten

Allerdings sieht Keszte aufgrund der Rückmeldungen der Unternehmen auch einige Themen, bei denen noch Gesprächsbedarf mit der neuen Regierung besteht. Die geplante Einschränkung der Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte aus Drittstaaten würde für viele Unternehmen zusätzliche Schwierigkeiten bei der Sicherung des Fachkräftebedarfs schaffen. Außerdem könnten geplante Änderungen im Arbeitsrecht einen wichtigen Standortvorteil Ungarns schwächen. Und schließlich müssten auch die geplanten Änderungen im System der Investitionsförderung so gestaltet werden, dass dadurch die Attraktivität Ungarns für ausländische Investoren nicht beeinträchtig wird.

 

Róbert Keszte betonte, dass Ungarn als Wirtschaftsstandort natürlich auch im Wettbewerb mit anderen Ländern in der Region und der Welt stehe – um Kapital, um Fachkräfte oder um Fördermittel. Aktuell sei Ungarn im mittel- und osteuropäischen Vergleich eher nur im Mittelfeld. „Früher war Ungarn jedoch schon einmal Vorreiter in der Region, das Potential ist also vorhanden. Als DUIHK wollen wir konstruktiv daran mitarbeiten, dass Ungarn wieder nach vorn kommt – im Interesse unserer Mitglieder und der ungarischen Wirtschaft insgesamt“ – erklärte Keszte.

 

Wahlausgang beflügelt Geschäftserwartungen und Investitionsbereitschaft

Dirk Wölfer, Leiter Kommunikation der DUIHK und Autor der Studie, belegte mit einem Vorher-Nachher-Vergleich, dass das klare Wahlergebnis auch die Stimmung der Unternehmen spürbar verbessert hat. In der Umfrage vor den Wahlen hatten 24 Prozent der Firmen für 2026 eine bessere Geschäftslage erwartet, 27 Prozent aber eine Verschlechterung. Nach den Wahlen kehrte sich das Verhältnis um: Nun rechnen 35 Prozent mit besseren Geschäften, und nur noch 19% mit schlechteren. Ähnliches gilt auch für die allgemeinen Konjunkturerwartungen und die eigenen Investitionsabsichten. Allerdings schränkte Wölfer ein, dass selbst mit diesem Umschwung die ungarischen Stimmungsindikatoren lediglich zu denen in anderen Ländern der Region aufschlossen, von einer Spitzenposition sei man noch recht weit entfernt.

 

Interessant dabei: Am stärksten wuchs der Optimismus bei Unternehmen, die vorwiegend am inländischen Markt aktiv sind, z.B. im Handel und im Dienstleistungssektor. Große, stark exportorientierte Unternehmen blieben hingegen etwas zurückhaltender. Wölfer zufolge ist das plausibel, denn mit den ungarischen Wahlen habe sich die Lage auf den internationalen Märkten ja de facto nicht verändert.

 

Risikobewertungen verschieben sich

Nicht überraschend war laut Wölfer, dass die Energiepriese nunmehr auf Rang 1 der Risiken für das eigene Geschäft vorrückten, was vor allem mit den Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten zusammenhänge. Kaum verändert hat sich hingegen die Lage bei den Arbeitskosten und beim Fachkräftemangel, die nun auf Rang 3 und 4 der Risiken stehen. Bei den Arbeitskosten ist laut Wölfer nicht so sehr das Niveau der Arbeitskosten problematisch – da liegt Ungarn nach wie vor weit hinten. Vielmehr sei der rasche Anstieg der Kosten in den letzten Jahren belastend, vor allem auch im Vergleich zu Wettbewerbern. Zwischen 2020 und 2025 steigen die ungarischen Lohnkosten um 75 Prozent, die in der Slowakei jedoch nur um 48 und die in Tschechien gar nur um 32 Prozent. Dies könne langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beeinträchtigen.

 

Standortqualität eher mittelmäßig

Die DUIHK untersucht die Standortqualität vor allem anhand der Zufriedenheit mit konkreten Faktoren – in diesem Jahr wurden erneut 25 solcher Standortfaktoren bewertet. Dirk Wölfer erläuterte, dass in der langfristigen Betrachtung bei vielen wirtschaftspolitischen Faktoren zwischen etwa 2012 und 2020 eine schrittweise Verbesserung zu verzeichnen war, seit vier-fünf Jahren jedoch wieder ein negativer Trend zu erkennen ist, der sich auch 2026 fortsetzte.  

 

Positiv wertete Wölfer, dass die Verfügbarkeit und Qualität einheimischer Zulieferer seit mehreren Jahren schrittweise höhere Zufriedenheitswerte zeigen, ebenso wie die Bedingungen für Forschung und Entwicklung. Auch im Bereich Infrastruktur sind die Unternehmen durchaus zufrieden.

 

Allerdings mach Wölfer auch auf einen wichtigen Umstand aufmerksam. In zahlreichen Bereichen zeigten die Umfragen der DUIHK und ihrer Schwesternkammern in der Region, dass die Zufriedenheitswerte mit einzelnen Standortfaktoren recht nah beieinanderliegen. Dies bedeute aber auch, dass bei weitgehend ähnlichen Investitionsbedingungen schon kleinere Verschiebungen in die eine oder andere Richtung die Investitionsentscheidung für oder gegen ein Land beeinflussen können. Daher sei es wichtig, bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen auch die Folgen für die Attraktivität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes mitzudenken.

 

Mehrheit der Firmen wünscht den Euro

In diesem Jahr sagten 75 Prozent der Befragten, dass sie die Einführung des Euro wünschen. Das ist der höchste Wert, den die Kammer in ihren Umfragen seit 2011 (direkt nach der Finanzkrise) gemessen hat. Allerdings ist dieser Wunsch vor allem bei jenen Unternehmen besonders stark, die vor allem im Handel (also meist im Import) und im Dienstleistungssektor tätig sind. Doch auch im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe liegt die Zustimmung bei deutlichen 68 Prozent.

 

Der vollständige Konjunkturbericht 2026 der DUIHK steht auf der Homepage der DUIHK zum Download zur Verfügung, ebenso wie die Präsentation von Chefanalystin Orsolya Nyeste von der Ersten Bank Hungary auf der Veranstaltung. Außerdem finden Sie dort den Link zum aktuellen World Business Outlook der DIHK, der die Umfrageergebnisse von 4500 Firmen in 70 Ländern enthält.

Der Konjunkturbericht wird unterstützt von:

  • Erste JPP

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